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weiderost „portal euregio bodensee“

visualisierung

Die Gemeinde Kluftern hat zu einem Wettbewerb für Grossplastiken eingeladen.

Zwischen Hugenloh und Herrenstöcke mit Sichtverbindung zur Alpenkette soll einen Weiderost in den Boden eingebaut werden.
Im Appenzellerland ist das «Original» des Weiderostes im landwirtschaftlichen Gebrauch. Die Huftiere meiden das Überqueren des Rostes und bleiben auf den Alpwiesen. So kann auf Zauntore verzichtet werden, die Weide lässt sich ungehindert passieren.
Beim Standort auf der Landstrasse in der Region Kluftern irritiert der Weiderost: Auf den ersten Blick erscheint er ohne Kontext, da keine Weiden abgegrenzt werden müssen. Auf den zweiten Blick lässt sich von der «Kopie» zum «Original» ein imaginärer Bogen über den Bodensee schlagen – ein Tor der Euregio Bodensee entsteht. Das Gebrauchsobjekt wird zur Kunstbaute.
Projekteingabe Kluftern PDF

bubbles

Zum Titel „Erklär mir Liebe“ hat die Aids-Hilfe St.Gallen zu einer Ausstellung im Bahnhofsgebäude St.Gallen eingeladen.

Unterschiedliche Sujets, von innigen Küssen bis zu eindeutigen sexuellen Handlungen, die aus dem Internet heruntergeladen wurden sind in Scheiben mit Bügelperlen umgesetzt. Die grobe Rasterung lässt den Bildinhalt nicht sofort entschlüsseln – die Scheiben werden als kindliche Bastelarbeit gelesen. Mit Distanz und unscharfem Blick werden die Scheiben plötzlich zu Bildträgern von pornorafischen Szenen. Durch das gegenseitige Erklären der Betrachtenden was sie in den Scheiben erkennen ergibt sich ein Gespräch über Sexualität und Liebe.

AR 1969-2005

Installation im Alten Zeughaus Herisau

Frank Keller füllt das erste Obergeschoss mit T-Shirts, die von der Decke hängen. Wer sich durch die rund 520 Kleidungsstücke bewegt, gelangt an der Stirnwand zum Titel der Arbeit „AR 1969-2005“, und damit zu den Hintergründen, die zur Installation geführt haben. Zwischen 1969-2005 haben sich laut Statistik 518 Menschen im Kanton Appenzell Ausserrhoden das Leben genommen. Aus der biografischen Verbundenheit des Künstlers mit dem Ort heraus ist eine installative Arbeit entstanden, die auf formal reduzierte Art mit einem Tabu bricht. Scheinbar nüchtern werden Zahlen taktil und raumgreifend umgesetzt, die Tode sichtbar gemacht und Denkketten in Gang gebracht. Aufdrucke auf den getragenen T-Shirts wie „sleep – dreams will come soon…“ oder „follow me“ bekommen im Kontext der visualisierten Suizidfälle eine befremdende Dimension. Die Frage nach möglichen Gründen für die hohe Selbstmordrate wird antwortlos in den Raum gehängt. Frank Keller interessieren die Zusammenhänge von Persönlichkeitsstrukturen und kulturellen und soziologischen Hintergünden. Ebenso leichtfüssig verführerisch wie doppelbödig involviert er mit Arbeiten wie „Boye“ im Mannenweiher St. Gallen (2003-06) oder „Playground“ im Zeughaus Teufen 2002 das Publikum in Diskurse um Klischeebilder, Geschlechterrollen und Selbstbestimmung.

Ursula Badrutt Schoch

museumsnacht 2004


Künstlerische Landebahn am 11. September im St. Galler Stadtraum

Der St. Galler Künstler Frank Keller realisiert für die erste St. Galler Museumsnacht eine umfassende Installation, die sich über den gesamten Stadtraum erstreckt. Rote, blinkende Positionslichter signalisieren in luftiger Höhe: Hier steht eine Institution im Dienste der Kultur. Eine fiktive Landebahn zieht sich durch das Tal vom Tröckneturm bis zum Kulturquartier als ein Stück visuelle Bezeichnung, als kulturelle Geografie.

Der Titel „11. September“ spielt offen mit dem Datum der Veranstaltung, das bekanntlich nach den Anschlägen von 2001 als traumatische Zahl in der westlichen Welt präsent ist. Durch die friedliche Intervention von Keller findet eine Überschreibung dieser Erinnerung statt. Der 11. September 2004 steht unter anderem für ein rot blinkendes St. Gallen, das möglicherweise auch Fluggäste aus luftiger Höhe bestaunen werden.

Rot blinkende Lampen haben jedoch auch immer eine Warnfunktion. Den rot markierten Kulturinstitutionen ist besondere Beachtung zu schenken (auch wenn von ihnen keine Gefahr ausgeht). Es sind lebendige Orte, pulsierende Zentren, die im Rhythmus miteinander um die Wette blinken. Die Gesamtheit der „Warnlampen“ ist die Summe der unermesslichen Eindrücke, die Besucher an der Museumsnacht sammeln können. Sie landen, von den Positionslichtern geleitet, in einer anderen Sphäre, jene der Kunst und Kultur, die in einer Zeit gesellschaftlicher Verunsicherung als mögliche Sinnstifterin besondere Bedeutung zukommt.

Gianni Jetzer

boye

boye 2003

In den Hang gebettet auf einer Terrasse zum Freudenberg hinauf, hoch über den Türmen des Klosters und der Stadt liegen die Drei Weiern – St.Gallens beliebtester Naherholungsort. Allwettertauglich und ganzjahresbesucht zwar, liegt die hohe Zeit der Drei Weiern im Sommer und werden diese zum Ort der St.Galler Sonnen-, Bade- und Zeigefreuden. Dann tummelt sich hier Jung und Alt, wetteifern die Kopfsprünge, wagen sich die ersten Küsse – hier kehren sich die Leiber an die Luft.

Die „Boye“ liegt im Mannenweier. Fest verankert, in sich ruhend, nur vom Wind zu leisen Pirouetten getrieben, erinnert sie aus der Ferne an eine überdimensionierte Seerose, rosa und barock – und ist doch ein künstlicher Körper. Nähern sich ihr die Badenden, setzt eine Wandlung ein, gewinnt die „Boye“ mit verlorener Distanz zunehmend anthropomorphe Formen. Schon schwingen sich die Schwimmenden auf sie. Wie auf einem schaukelnden Rettungsring sitzend und sich an sie klammernd, werden jetzt ihre Rundungen und Wölbungen spürbar, schmiegt sich ihre glatte Oberfläche an Menschenhaut. Jetzt entpuppt die „Boye“ sich als ein Ring ineinander verschlungner Männertorsi – ineinander fliessende Gesässe in passender Umgebung: Mannenweier. So lädt die „Boye“ ein zum haptischen wie intellektuellen Dialog zwischen Nähe und Distanz, reizt zu Betrachtung und Eroberung.

notiert: Markus Wehrli

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