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Als Johann Albrecht von Steiger die Villa Mettlen in Muri um 1750 erbauen liess, wollte er mit der Anlage eine Art Klein-Versailles nachempfinden. Dazu gehörte auch der Teich, bei dem es sich um eine offensichtliche, wenn auch viel kleinere Kopie des berühmten «Bassin d’Apollon» im Schlosspark von Versailles handelt.Während jener mächtige Brunnen ganz auf die Skulptur des Apoll im Sonnenwagen, aus deren Mitte Wasser in die Höhe schiesst, ausgerichtet ist, muss die Version von Muri bei Bern ohne den griechischen Gott auskommen. Bis November ist diese Leerstelle mit der Arbeit «Boye», eine Art monumentale Seerose, besetzt. Inszenierte der Auftraggeber des Versailler Originals, König Ludwig XIV., mit der Bezugnahme auf Apoll – den griechischen Gott des Lichtes, der Heilung und des Frühlings – sich selbst, ersetzt die Brunnenfigur «Boye» subtil die Anmassung des französischen Sonnenkönigs. Und suchte sich Ludwig XIV. in der Annäherung an Apollo in den Stand des Göttlichen zu heben, kontert die schwimmende Figur mit einer Referenz ans Florale, zerlegt mit einer Wasserblume den Mythos des Heldischen. Kontrastreich hebt sich die rosa Skulptur vom Grün des Parks ab und markiert ihre eigenständige Position. Der Verweis auf das Männliche ist tief und tragend. Denn betrachtet man das rosa Objekt genauer, transformiert sich die florale Struktur nach und nach in eine menschliche. Die Seerose entpuppt sich als ineinander verschlungener Körperring. Männertorsi – Gesässe, Rücken, Beine – sind zu einem Kreis verwoben. Das Heroisch-Göttliche findet sich damit in einem Blütenring wieder, aus dessen Mitte die Fontäne des Parkweihers von Klein-Versailles in die Höhe schiesst.

 

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